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Katharina Stäblein M.A.

Titel und Abstract des Dissertationsprojektes

Rudolf Otto: 'Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen'. Kritische Edition mit einem Modell zur synoptischen Verzeichnung prosaischer Texte.

(Betreuer: Prof. Dr. Wolfgang Lukas/Prof. Dr. Claus-Dieter Osthövener)

In der editionswissenschaftlichen Forschung stellte die Frage der Variantenverzeichnung lange Zeit einen zentralen Forschungsgegenstand dar. Dabei wurden Textapparate entwickelt, die eine editorische Verzeichnung verschiedensten Autormaterials ermöglichen. Die über Jahre erarbeiteten Apparate sind im Rahmen einer Vielzahl von Editionen entstanden und vielfältig erprobt worden. Ein spezieller Aspekt wird bei der Beschäftigung mit den Verzeichnungssystemen allerdings augenfällig: Die grundlegenden Apparattypen wurden zumeist an lyrischen Verstexten entwickelt und versucht. Probleme und Lösungsansätze wurden also an Texten benannt und erarbeitet, die eine in sich konsistente Struktur aufweisen: Verstexte bieten durch ihre Form selbstaufgebende Bezugspunkte für die Verzeichnung von varianten Textteilen. Bei prosaischen Texten ist das Charakteristikum der Verszeile nicht gegeben, im Gegenteil – der Prosatext kann eine unbestimmte Laufweite haben und eine Vielzahl an Textänderungsprozessen durchlaufen, ohne dass diese Änderungen die Klassifizierung des Textes als Prosatext beeinflussen würden. Die gängigen und erprobten Darstellungssysteme zur Variantenverzeichnung können dementsprechend nicht analog auch auf Prosatexte angewandt werden.
Seit den 1980er Jahren ist besonders die Prosaapparatforschung seltener in den Fokus editionswissenschaftlichen Interesses gerückt worden. Diese Dissertation widmet sich nun neuerlich der Untersuchung von editorischen Verzeichnungsmöglichkeiten für varianten
Text in Prosawerken. Im Rahmen einer Edition wird ein genetisch-synoptisches Verzeichnungsmodell für Prosatexte entwickelt und zugleich exemplarisch erprobt.
Dazu wird das in 19 Auflagen erschienene Hauptwerk ‚Das Heilige’ (1917) des Evangelischen Theologen Rudolf Otto (1869-1937) kritisch ediert. Im Ergebnis bietet die Forschungsarbeit neben dem Verzeichnungsmodell unter anderem mit der Aufarbeitung der Rezeptionsgeschichte des Werkes und der Untersuchung des Textes auf die Entwicklung theologischer Paradigmen neue Impulse für den theologiefachwissenschaftlichen Diskurs.

Die Dissertation entsteht im Rahmen einer Wissenschaftlichen Mitarbeiterstelle im Graduiertenkolleg 2196 'Dokument – Text – Edition' an der Bergischen Universität Wuppertal und in enger Zusammenarbeit mit der Philipps-Universität Marburg.